Verhaltensforscher zeigen, dass Menschen mit überdurchschnittlichem Gehtempo in zahlreichen Studien dieselben Persönlichkeitsmerkmale aufweisen

Was Ihre Gehgeschwindigkeit über Sie verrät
Was Ihre Gehgeschwindigkeit über Sie verrät

Die Leute, die täglich durch die Straßen laufen, erzählen mehr als nur Gesichter — ihr Tempo sagt viel über sie aus. Wie jemand geht, ist oft das Erste, was wir wahrnehmen, und bleibt lange hängen. Das Gehverhalten offenbart oft unbewusste Persönlichkeitszüge und liefert Hinweise auf den Charakter.

Gehen: Was man sofort sieht

Wenn wir Menschen beobachten, die sich durch die Menge „schneiden“, als wären sie auf dem Sprung, fallen bestimmte Merkmale sofort ins Auge: ein leicht nach vorn geneigter Kopf, kurze scharfe Schritte und die Tasche eng am Körper. Solche Muster sieht man häufig bei Leuten, die ständig unterwegs sind — zum Beispiel bei einem Kollegen, der Smalltalk strikt vermeidet oder während eines Meetings ständig halb aus dem Raum heraustritt.

Studien: Faszinierende Ergebnisse

Forschungen an der University of Leicester (Großbritannien) arbeiteten mit verschiedenen Methoden, darunter Messungen der Gehgeschwindigkeit in mehreren Städten mithilfe von Klemmbrettern, Datenaufnahme und Zeitlupenkameras. Diese umfangreichen Studien zeigen, dass Menschen mit überdurchschnittlich schneller Gehgeschwindigkeit höhere Werte bei Gewissenhaftigkeit, Zielorientierung und „Zeitdringlichkeit“ aufweisen (also dem Gefühl, schnell handeln zu müssen). In Städten mit hohem allgemeinem Tempo fühlen sich die Bewohner oft getrieben und wettbewerbsorientiert; Ungeduld ist dort ein häufiges Gefühl.

Langfristige Studien betrachten auch Lebensdauer und kommen zu dem Ergebnis, dass von Natur aus schneller Gehende tendenziell länger leben. Diese Ergebnisse wurden unter Berücksichtigung wichtiger Variablen wie Alter und Gewicht ermittelt, um Verzerrungen zu vermeiden.

Psychologie: Tempo und seine Schwankungen

Schnelle Geher gelten eher als organisiert und entscheidungsfreudig, während langsamere Geher oft als offener und detailorientierter wahrgenommen werden. Die Gehgeschwindigkeit ist aber stark vom Kontext abhängig — jemand, der morgens gemütlich spaziert, kann in einer Gefahrensituation plötzlich sehr schnell werden. Übungen wie der „bewusste Arbeitsweg“ helfen, durch wiederholte Tempowechsel auf derselben Route ein besseres Gefühl für die eigene Wandelbarkeit zu entwickeln.

Tipps und soziale Dynamik

Manchmal bringt eine kleine Beschleunigung frischen Schwung, um eine aufgeschobene Aufgabe mit mehr Elan anzugehen. Genauso kann eine absichtliche Verlangsamung nach einem intensiven Meeting dem Körper signalisieren, jetzt ruhig zu werden. Bei gemeinsamen Wanderungen lohnt es sich zu beobachten, wer sich wem anpasst — das spiegelt oft die Dynamik und die Beziehungen innerhalb der Gruppe wider. Besonders in Partnerschaften zeigt ein synchronisiertes Tempo häufig Harmonie (es wirkt symbolisch für Übereinstimmung).

Unterschiedliche Gehtempi in Paaren können zu Problemen führen; umgekehrt signalisiert das angleichen des Tempos oft körperliche und psychische Kompromissbereitschaft. Enge Freunde oder Partner gleichen sich meist unbewusst im Tempo an, was auf eine tiefere Verbindung hinweisen kann.

Die Forschung zu Gehgeschwindigkeit und Gesundheit ist beachtlich: Schnellere Fußgänger haben tendenziell bessere kardiovaskuläre Gesundheit und eine längere Lebenserwartung. Sowohl physiologische als auch verhaltensbedingte Faktoren spielen eine Rolle — zum Beispiel halten gewissenhafte Menschen Arzttermine eher zuverlässig ein.

Ein Verhaltenswissenschaftler bringt es passend auf den Punkt: „Ihre Gehgeschwindigkeit ist wie ein Trailer für Ihre Persönlichkeit. Sie zeigt nicht den ganzen Film, aber sie verrät das Genre.“ Das regt dazu an, über die nonverbalen Signale nachzudenken, die wir ausstrahlen und wahrnehmen, und ermöglicht es uns, bewusster durch den Alltag zu gehen.